Dravet-Syndrom und Impfung – epileptologische, genetische und gutachtliche Aspekte

In der MedSach Ausgabe: 01-2019 wurde ein Artikel unter Mitwirkung von Herrn Prof. Dr. Kluger veröffentlicht.

Hier die Zusammenfassung:
Das Dravet-Syndrom ist eine neurologische Krankheit, die mit einer meist sehr schwer therapierbaren Epilepsie sowie einer kognitiven und Entwicklungsstörung einhergeht. Jedoch existieren auch Fälle mit klinisch leichtem oder mittelschwerem Verlauf. Für die Mehrzahl der Fälle ist eine (verifiziert pathogene) Neumutation im SCN1A-Gen verantwortlich, das für den spannungabhängigen Natriumkanal Nav1.1 kodiert. Auch Mutationen in weiteren Genen sind bekannt. Es gibt auch klinisch gesicherte Dravet-Fälle ohne nachweisbare Genmutation. Für die Ausprägung des Krankheitsbildes ist zum einen die genaue Lokalisation und Art der Mutation im SCN1A-Gen verantwortlich, zum anderen spielt auch die „genetische Umgebung“ und die Funktion z.B. anderer Ionenkanäle eine Rolle. Hinweise darauf, dass externe Faktoren eine kausale Rolle bei der Entstehung des Krankheitsbildes spielen, finden sich demgegenüber nicht. Die Anfälle treten typischerweise um den sechsten Lebensmonat herum erstmals auf, oft bei einer Erhöhung der Körpertemperatur. Nicht selten kommt es zu einer Erstmanifestation der Epilepsie in zeitlicher Assoziation mit Impfungen. Hinweise darauf, dass eine Impfung kausal für die Entstehung des Dravet-Syndroms verantwortlich ist oder sich die eventuelle zeitliche Vorverlagerung einer Erstmanifestation des Dravet-Syndroms im zeitlichen Kontext mit einer Impfung negativ auf die Schwere oder den Verlauf des Krankheitsbilds auswirkt, finden sich in der Literatur nicht. Unter der Berücksichtigung der Kausalitätskriterien im sozialen Entschädigungsrecht kann deshalb weder im Sinne der Wahrscheinlichkeit noch im Sinne der „Kannversorgung“ ein kausaler Zusammenhang eines Dravet-Syndroms mit einer Impfung bzgl. eines Impfschadens gemäß Infektionsschutzgesetz (IfSG) hergestellt werden. Die zeitliche Assoziation einer Impfung mit der Erstmanifestation eines Dravet-Syndroms entspricht im sozialrechtlichen Kontext dem typischen Fall einer „Gelegenheitsursache“.

Der gesamte Artikel ist unter folgendem Link zu erwerben: https://www.medsach.de/Archiv/Heftarchiv/article-854255-104380/dravet-syndrom-und-impfung-epileptologische-genetische-und-gutachtliche-aspekte-.html

2019-01-23T12:18:32+00:00Januar 22nd, 2019|
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