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Die Behand­lung des Dra­vet-Syn­droms stützt sich in ers­ter Linie auf eine indi­vi­du­ell ange­pass­te medi­ka­men­tö­se The­ra­pie. Da die Anfalls­kon­trol­le sel­ten voll­stän­di­ge Anfalls­frei­heit bedeu­tet, kommt es vor allem dar­auf an, die Anfall­s­last spür­bar zu redu­zie­ren und Neben­wir­kun­gen mög­lichst gering zu hal­ten.

Erfah­re auf die­ser Sei­te mehr über Anti­epi­lep­ti­ka, die bei Dra­vet-Betrof­fe­nen ein­ge­setzt wer­den.

Seit 2022 gibt es einen von Dra­vet-Exper­ten beschlos­se­nen Behand­lungs­kon­sens zur medi­ka­men­tö­sen The­ra­pie. In die­sem ist abge­bil­det, wel­che Medi­ka­men­te sie bei Dra­vet-Betrof­fe­nen als am wirk­sams­ten ein­stuf­te („first line“), sowie The­ra­pien der zwei­ten, drit­ten und vier­ten Wahl, die eben­falls wirk­sam sein kön­nen.

Die meis­ten Dra­vet-Betrof­fe­nen benö­ti­gen meh­re­re Medi­ka­men­te, um ihre Anfäl­le zu kon­trol­lie­ren, und „Kon­trol­le“ bedeu­tet nicht immer eine voll­stän­di­ge Anfalls­frei­heit. Die­se wird nur sel­ten erreicht.

Der Exper­ten­kon­sens warnt zudem vor bestimm­ten Medi­ka­men­ten, die beim Dra­vet-Syn­drom schäd­lich sein kön­nen – vor allem vor Natri­um­ka­nal­blo­ckern. Die­se Wirk­stof­fe ver­schlim­mern oft die Anfäl­le, da sie genau den Kanal hem­men, der durch die SCN1A-Gen­mu­ta­ti­on ohne­hin schon gestört ist: den Nav1.1‑Natriumkanal.

Val­proat

Val­proat ist meist das Basis­me­di­ka­ment beim Dra­vet-Syn­drom, da es gegen ver­schie­de­ne Anfalls­ar­ten wirkt und sich gut mit ande­ren The­ra­pien kom­bi­nie­ren lässt. Es wird häu­fig schon im frü­hen Krank­heits­ver­lauf ein­ge­setzt. Gleich­zei­tig erfor­dert es regel­mä­ßi­ge Kon­trol­len der Leber­funk­ti­on und des Blut­bilds, da es dort rele­van­te Ver­än­de­run­gen ver­ur­sa­chen kann.

Clo­bazam

Clo­bazam ist eines der wich­tigs­ten Zusatz­me­di­ka­men­te beim Dra­vet-Syn­drom und wird häu­fig in Kom­bi­na­ti­on mit Val­proat oder Stiri­pen­tol ein­ge­setzt, um die Anfall­s­last spür­bar zu sen­ken. Es wirkt über das GABA-Sys­tem beru­hi­gend und anfalls­hem­mend und kann beson­ders bei fie­ber­ge­trig­ger­ten oder gene­ra­li­sier­ten Anfäl­len hilf­reich sein. Typi­sche Neben­wir­kun­gen sind Müdig­keit, ver­rin­ger­te Auf­merk­sam­keit oder – bei län­ge­rer Anwen­dung – eine Gewöh­nung, die die Wirk­sam­keit abschwä­chen kann.

Fen­flu­ra­min (FIN­TEP­LA®)

Fen­flu­ra­min ist ein moder­nes, hoch­wirk­sa­mes Medi­ka­ment zur Behand­lung des Dra­vet-Syn­droms und seit 2020 in Euro­pa (unter dem Han­dels­na­men FIN­TEP­LA®) zuge­las­sen. Es wird meist ergän­zend zu bestehen­den The­ra­pien ein­ge­setzt. Vie­le Dra­vet-Betrof­fe­ne erle­ben eine deut­li­che Reduk­ti­on schwe­rer und häu­fi­ger Anfäl­le – teils auch sol­cher, die zuvor auf meh­re­re Medi­ka­men­te nicht aus­rei­chend reagiert haben. Fen­flu­ra­min beein­flusst das sero­to­n­er­ge Sys­tem und wirkt sta­bi­li­sie­rend auf neu­ro­na­le Netz­wer­ke. Da es in sel­te­nen Fäl­len Herz­klap­pen­ver­än­de­run­gen oder pul­mo­n­a­le Hyper­to­nie ver­ur­sa­chen kann, sind regel­mä­ßi­ge kar­dio­lo­gi­sche Kon­trol­len mit Echo­kar­dio­gra­phie ver­pflich­tend. Häu­fi­ge Neben­wir­kun­gen sind Appe­tit­ver­lust und Müdig­keit. Trotz die­ser Punk­te gilt Fen­flu­ra­min heu­te als eine der wir­kungs­volls­ten moder­nen Optio­nen bei der Behand­lung des Dra­vet-Syn­droms.

Stiri­pen­tol
Stiri­pen­tol ist ein eta­blier­tes Zusatz­me­di­ka­ment beim Dra­vet-Syn­drom und wird fast immer gemein­sam mit Clo­bazam und häu­fig auch Val­proat ein­ge­setzt. Es ver­stärkt deren Wir­kung, indem es den Abbau die­ser Medi­ka­men­te hemmt und so die anfalls­hem­men­de Gesamt­wir­kung erhöht. Vie­le Betrof­fe­ne erle­ben dadurch eine deut­li­che Reduk­ti­on vor allem gene­ra­li­sier­ter oder fie­ber­as­so­zi­ier­ter Anfäl­le. Typi­sche Neben­wir­kun­gen sind Appe­tit­min­de­rung, Müdig­keit und gele­gent­lich Gleich­ge­wichts­stö­run­gen, wes­halb die Dosie­rung sehr sorg­fäl­tig ange­passt wer­den muss.

Can­na­bi­di­ol (EPI­DYOLEX®)
Can­na­bi­di­ol in phar­ma­zeu­ti­scher Qua­li­tät (EPI­DYOLEX®) ist beim Dra­vet-Syn­drom eine wich­ti­ge Zusatz­the­ra­pie, die die Anfalls­häu­fig­keit deut­lich sen­ken kann. In Euro­pa ist Epi­dyolex nur in Komib­i­na­ti­on mit Clo­bazam zuge­las­sen. Es wirkt über das Endo­can­na­bi­no­id-Sys­tem, beein­flusst dabei jedoch nicht psy­cho­ak­tiv. Da EPI­DYOLEX den Stoff­wech­sel ande­rer Medi­ka­men­te ver­än­dert, sind regel­mä­ßi­ge Kon­trol­len der Leber­wer­te und ggf. Anpas­sun­gen der Dosie­run­gen not­wen­dig. Vie­le Fami­li­en berich­ten von spür­ba­ren Ver­bes­se­run­gen – etwa kür­ze­ren oder sel­te­ne­ren Anfäl­len – doch auch Müdig­keit, Durch­fall oder Appe­tit­ver­än­de­run­gen kön­nen auf­tre­ten.

Topi­ra­mat oder Zoni­sa­mid
Topi­ra­mat und Zoni­sa­mid wer­den beim Dra­vet-Syn­drom häu­fig als zusätz­li­che The­ra­pie­op­tio­nen ein­ge­setzt, wenn Basis- und Ergän­zungs­me­di­ka­men­te allein nicht aus­rei­chen; bei­de kön­nen die Anfall­s­last wei­ter sen­ken, wir­ken über unter­schied­li­che neu­ro­na­le Mecha­nis­men und müs­sen lang­sam ein­ge­schli­chen wer­den, da sie kogni­ti­ve Neben­wir­kun­gen, Appe­tit­ver­lust oder Ver­än­de­run­gen im Säu­re-Basen-Haus­halt ver­ur­sa­chen kön­nen, wes­halb eine sorg­fäl­ti­ge ärzt­li­che Beglei­tung beson­ders wich­tig ist.

Bro­mi­de oder Clo­na­ze­pam
Bro­mi­de und Clo­na­ze­pam gehö­ren zu den sel­te­ner ein­ge­setz­ten The­ra­pie­op­tio­nen beim Dra­vet-Syn­drom und kom­men meist dann zum Ein­satz, wenn eta­blier­te Medi­ka­men­te nicht aus­rei­chend wir­ken. Bro­mi­de kön­nen vor allem gene­ra­li­sier­te Anfäl­le redu­zie­ren, erfor­dern jedoch eine lang­sa­me Dosis­ein­stel­lung und regel­mä­ßi­ge Blut­spie­gel­kon­trol­len. Clo­na­ze­pam wirkt über das GABA-Sys­tem und kann Anfäl­le kurz­fris­tig oder ergän­zend abschwä­chen, führt jedoch häu­fig zu Müdig­keit und es kann eine Tole­ranz­ent­wick­lung ent­ste­hen.

Aktu­ell wer­den wei­te­re Wirk­stof­fe erforscht, zum Bei­spiel:

  • Sotic­les­tat (TAS­CEN­SO ODT® / frü­her TAK-935): Ein Enzym­hem­mer, der den Stoff­wech­sel von Boten­stof­fen im Gehirn beein­flusst. Ers­te Stu­di­en waren viel­ver­spre­chend, grö­ße­re Unter­su­chun­gen lau­fen der­zeit.
  • Bexi­ca­se­rin gehört zu einer neu­en Gene­ra­ti­on von Medi­ka­men­ten, die gezielt das Sero­to­nin-Sys­tem im Gehirn beein­flus­sen. Beim Dra­vet-Syn­drom ist die­se Akti­vi­tät gestört, was zu einer Über­er­re­gung im Gehirn und dadurch zu Anfäl­len füh­ren kann. Bexi­ca­se­rin akti­viert gezielt den 5‑H­T₂C-Rezep­tor im Gehirn und soll so hel­fen, die neu­ro­na­le Erre­gung zu sta­bi­li­sie­ren und Anfäl­le zu redu­zie­ren.
  • Wei­te­re neue Anti­epi­lep­ti­ka befin­den sich in der kli­ni­schen Prü­fung, mit dem Ziel, die Behand­lungs­mög­lich­kei­ten zu erwei­tern und Neben­wir­kun­gen zu ver­rin­gern.