Phil­ipp aus Frei­sing in Bay­ern bekam mit acht Mona­ten sei­nen ers­ten Anfall. Mit neun Jah­ren wur­de bei ihm das Dra­vet-Syn­drom dia­gnos­ti­ziert. Sei­ne Mama Hei­di teilt hier einen klei­nen Teil sei­ner Geschich­te.

Könnt Ihr uns etwas über Phil­ipps ers­te Anfäl­le erzäh­len? Wie habt Ihr sie bemerkt?

Phil­ipp hat­te sei­nen ers­ten Anfall mit acht Mona­ten. Er gab einen selt­sa­men Laut von sich, begann rhyth­misch und ein­sei­tig zu zucken, sei­ne Augen waren nach links oben ver­dreht, und sein Gesicht war blau. Für mich war sofort klar, dass es sich um einen epi­lep­ti­schen Anfall han­del­te. Nach eini­gen Minu­ten war der Anfall vor­bei. Mein Mann und ich pack­ten ihn sofort ins Auto und fuh­ren in die Kin­der­kli­nik nach Mün­chen, wo wir sta­tio­när auf­ge­nom­men wur­den. Noch am sel­ben Abend erlitt Phil­ipp sei­nen ers­ten Sta­tus epi­lep­ti­cus.

Wann und wie wur­de bei Phil­ipp das Dra­vet-Syn­drom dia­gnos­ti­ziert?

Die Dia­gno­se erhiel­ten wir erst rela­tiv spät, als Phil­ipp bereits 9 Jah­re alt war. Ein jun­ger Assis­tenz­arzt ver­an­lass­te damals einen Gen­test, der schließ­lich zur Dia­gno­se führ­te. Bis dahin dach­ten wir, Phil­ipp habe eine früh­kind­li­che Epi­lep­sie, die sich mit der Zeit ver­wach­sen wür­de. Aller­dings zeig­te sich bereits vor der Dia­gno­se, dass er geis­ti­ge Ein­schrän­kun­gen hat­te. Mit der Gewiss­heit, dass es sich um das Dra­vet-Syn­drom han­delt, hat­ten wir plötz­lich ein „schwer­kran­kes“ Kind. Das hat am Anfang beson­ders mir den Boden unter den Füßen weg­ge­zo­gen.

Wie hat sich das Leben für euch als Fami­lie seit der Dia­gno­se­stel­lung ver­än­dert?

Die Dia­gno­se hat unser Fami­li­en­le­ben kom­plett ver­än­dert. Ängs­te und Sor­gen über das, was noch kom­men könn­te, sind eine stän­di­ge Her­aus­for­de­rung. Wir müs­sen auf so vie­le Din­ge ach­ten: Ist es zu warm oder zu kalt? Ist Phil­ipp müde? Gibt es zu vie­le Rei­ze in sei­ner Umge­bung? Die­se stän­di­ge Wach­sam­keit belas­tet nicht nur uns Eltern, son­dern wirkt sich auch auf das Leben sei­ner Schwes­ter aus. Unser All­tag wur­de auf den Kopf gestellt und erfor­dert viel Anpas­sung und Rück­sicht­nah­me.

Wie geht Ihr als Eltern mit den emo­tio­na­len Belas­tun­gen um, die mit der Betreu­ung eines Kin­des mit einer schwe­ren neu­ro­lo­gi­schen Erkran­kung ein­her­ge­hen?

Es ist ein täg­li­cher Kampf. Wir möch­ten Phil­ipp nicht alles ver­bie­ten und ihm eine gute und glück­li­che Zeit ermög­li­chen.

Wel­che Art von Unter­stüt­zung und Behand­lung erhält Phil­ipp für ihr Dra­vet-Syn­drom?

Eigent­lich nicht viel. Erst im Lau­fe der Zeit wur­den unse­re Ängs­te und Beden­ken von außen­ste­hen­den Insti­tu­tio­nen wie der Schu­le und spä­ter der Werk­statt ernst genom­men. Mitt­ler­wei­le wird bes­ser auf sei­ne spe­zi­el­len Bedürf­nis­se Rück­sicht genom­men, aber es hat lan­ge gedau­ert, bis wir als Fami­lie die­se Aner­ken­nung erfah­ren haben.

Wie geht es Phil­ipp heu­te?

Phil­ipp geht es gut. Er ist ein tol­ler jun­ger Mann, der Super­hel­den liebt. Er ist sehr empa­thisch. Er liebt sei­ne Fami­lie und vor allem sei­ne Schwes­ter The­re­sa über alles. Die bei­den ver­bin­det eine beson­de­re Bezie­hung. The­re­sa wür­de für ihren „klei­nen gro­ßen Bru­der“ mit sei­nen 1,88 Meter Kör­per­grö­ße alles tun.

Wel­che Wün­sche habt Ihr für Phil­ipps Zukunft?

Eigent­lich nicht viel. Gesund­heit, und zwar in allen Berei­chen. Phil­ipp soll ein gutes und glück­li­ches Leben haben.

Wel­chen Rat möch­tet Ihr Eltern geben, die erst vor kur­zem die Dia­gno­se Dra­vet erhal­ten haben?

Ver­sucht, nicht wie beses­sen zu goo­geln, denn das macht nur unnö­tig Angst. Nehmt die Din­ge so, wie sie kom­men, und fokus­siert euch dar­auf, die gemein­sa­me Zeit mit eurem Kind zu genie­ßen. Ver­sucht, nichts zu erzwin­gen.

 

Foto © pri­vat