Für vie­le Fami­li­en, die mit dem Dra­vet-Syn­drom leben, ist die Suche nach wirk­sa­men The­ra­pien ein stän­di­ger Beglei­ter. Umso wich­ti­ger sind die­se neu­en Nach­rich­ten aus der For­schung: Mit der kli­ni­schen Stu­die NCT07531745 hat die Unter­su­chung eines neu­en Wirk­stoffs namens ION337 des US-ame­ri­ka­ni­schen Phar­ma­un­ter­neh­mens Ionis Phar­maceu­ti­cals begon­nen.

Wor­um es in der Stu­die geht

ION337 ist ein Anti­sen­se-Oli­go­nu­kleo­tid (ASO), das ent­wi­ckelt wur­de, um die Akti­vi­tät des SCN1A-Gens zu erhö­hen. Anti­sen­se-Oli­go­nu­kleo­ti­de sind kur­ze, künst­lich her­ge­stell­te Bau­stei­ne, die an die gene­ti­sche „Bau­an­lei­tung“ (RNA) in den Zel­len ando­cken. Dort kön­nen sie gezielt beein­flus­sen, wie bestimm­te Pro­te­ine gebil­det wer­den – zum Bei­spiel, indem sie die Pro­duk­ti­on erhö­hen oder kor­ri­gie­ren.

ION337 setzt daher gezielt an der Ursa­che des Dra­vet-Syn­droms, die in den meis­ten Fäl­len durch eine Muta­ti­on im SCN1A-Gen aus­ge­löst wird, an. Die­ses Gen ent­hält die Bau­an­lei­tung für einen wich­ti­gen Bestand­teil von Ner­ven­zel­len im Gehirn, der für die Wei­ter­lei­tung von elek­tri­schen Signa­len zustän­dig ist. Wenn die­ser Mecha­nis­mus gestört ist, kann es zu den typi­schen epi­lep­ti­schen Anfäl­len kom­men.

Ers­te Schrit­te: Sicher­heit und Ver­träg­lich­keit

Die jetzt gestar­te­te Stu­die befin­det sich in einer frü­hen Pha­se der kli­ni­schen Ent­wick­lung (Pha­se 1/2). Das bedeu­tet, dass zunächst unter­sucht wird, ob das Medi­ka­ment sicher ist und gut ver­tra­gen wird.

„Ver­träg­lich­keit“ heißt in die­sem Zusam­men­hang: Wel­che Neben­wir­kun­gen tre­ten auf? Wie reagiert der Kör­per auf den Wirk­stoff? Erst wenn die­se Fra­gen geklärt sind, kann in wei­te­ren Stu­di­en genau­er unter­sucht wer­den, ob und wie gut das Medi­ka­ment tat­säch­lich gegen die Anfäl­le wirkt.

Für Fami­li­en ist wich­tig zu wis­sen: In die­ser Pha­se geht es noch nicht in ers­ter Linie um eine Ver­bes­se­rung der Sym­pto­me, son­dern dar­um, eine siche­re Grund­la­ge für wei­te­re For­schung zu schaf­fen.

Rea­lis­ti­sche Erwar­tun­gen

So wich­tig der Start die­ser Stu­die ist, so wich­tig ist auch eine rea­lis­ti­sche Ein­ord­nung. Kli­ni­sche Stu­di­en ver­lau­fen in meh­re­ren Schrit­ten, die sich über Jah­re erstre­cken. Vie­le Wirk­stof­fe schaf­fen es nicht bis zur Zulas­sung.

Das bedeu­tet: Auch wenn ION337 ein viel­ver­spre­chen­der Ansatz ist, wird es noch Zeit brau­chen, bis klar ist, ob dar­aus tat­säch­lich eine neue The­ra­pie ent­steht. Die Stu­die ist im April 2026 gestar­tet. Mit der Fer­tig­stel­lung rech­net das kali­for­ni­sche Unter­neh­men Ende 2030. Ins­ge­samt sol­len 32 Pati­en­ten und Pati­en­tin­nen rekru­tiert wer­den.

Ein wich­ti­ger Schritt nach vorn

Trotz aller Unsi­cher­hei­ten zeigt der Beginn die­ser neu­en Stu­die vor allem wie­der eines: Die For­schung zum Dra­vet-Syn­drom schrei­tet wei­ter vor­an. Jede neue Stu­die trägt dazu bei, die Erkran­kung bes­ser zu ver­ste­hen und neue Wege in der Behand­lung zu eröff­nen.

Über die Ent­wick­lung mit ION337 hal­ten wir Euch auf dem Blog auf dem Lau­fen­den.

Zur gan­zen Stu­die gelangt ihr hier.