Eine aktu­el­le Stu­die lie­fert wich­ti­ge neue Hin­wei­se dar­auf, war­um vie­le Dra­vet-Betrof­fe­ne unter aus­ge­präg­ten Schlaf­pro­ble­men lei­den. For­schen­de konn­ten in einem Maus­mo­dell zei­gen, dass Schlaf­stö­run­gen eng mit einer gestör­ten Regu­la­ti­on der Kör­per­tem­pe­ra­tur zusam­men­hän­gen – gesteu­ert durch eine zen­tra­le „Schalt­stel­le“ im Gehirn. Die Stu­die „Dis­rupt­ed tem­pe­ra­tu­re-sleep cou­pling mecha­nism in a Dra­vet syn­dro­me mou­se model“ wur­de in der Fach­zeit­schrift Natu­re Com­mu­ni­ca­ti­ons ver­öf­fent­licht.

Das Gehirn als „Ther­mo­stat“

Im Mit­tel­punkt der neu­en Unter­su­chung steht der Hypo­tha­la­mus – eine Regi­on im Gehirn, die sowohl den Schlaf als auch die Kör­per­tem­pe­ra­tur regu­liert. Die For­schen­den fan­den her­aus, dass bei Mäu­sen mit Dra­vet-Syn­drom genau die­se Ver­bin­dung gestört ist.

Wäh­rend bei gesun­den Mäu­sen die Kör­per­kern­tem­pe­ra­tur nach dem Ein­schla­fen natür­li­cher­wei­se sinkt, blieb die­ser Mecha­nis­mus bei den erkrank­ten Tie­ren aus. Gleich­zei­tig hat­ten die Dra­vet-Mäu­se ins­ge­samt eine nied­ri­ge­re Kör­per­tem­pe­ra­tur und zeig­ten Auf­fäl­lig­kei­ten im Schlaf­ver­hal­ten.

Zusam­men­hang zwi­schen Schlaf- und Wär­me­regu­la­ti­ons­stö­run­gen

Beson­ders span­nend: Nor­ma­ler­wei­se erleich­tert eine wär­me­re Umge­bung das Ein­schla­fen. In der Stu­die reagier­ten gesun­de Mäu­se ent­spre­chend – sie schlie­fen schnel­ler ein. Bei den Dra­vet-Mäu­sen zeig­te sich die­ser Effekt jedoch nicht. Das deu­tet dar­auf hin, dass die Kopp­lung zwi­schen Tem­pe­ra­tur und Schlaf gestört ist.

Auch Ver­hal­tens­un­ter­schie­de wur­den beob­ach­tet: Gesun­de Mäu­se bau­ten kom­ple­xe Nes­ter, um ihre Kör­per­wär­me wäh­rend des Schlafs zu hal­ten. Drei Vier­tel der Dra­vet-Mäu­se taten dies nicht. Die­je­ni­gen, die es taten, bau­ten ein­fa­che­re Nes­ter, was auf „eine ver­rin­ger­te Fähig­keit zur Aus­füh­rung die­ses ange­bo­re­nen Ver­hal­tens“ hin­deu­te, so die For­schen­den.

Ansät­ze für neue The­ra­pien

Die For­schen­den tes­te­ten zudem expe­ri­men­tel­le Ansät­ze, um die gestör­ten Mecha­nis­men zu beein­flus­sen. Dazu gehör­ten unter ande­rem gen­the­ra­peu­ti­sche Ver­fah­ren zur Wie­der­her­stel­lung der Funk­ti­on des betrof­fe­nen SCN1A-Gens sowie die geziel­te Akti­vie­rung bestimm­ter Ner­ven­zel­len (che­mo­ge­ne­ti­sche Sti­mu­la­ti­on). Bei­de Ver­fah­ren konn­ten den durch Wär­me aus­ge­lös­ten Schlaf bei den Modell­mäu­sen wie­der­her­stel­len.

Schlaf­stö­rung beim Dra­vet-Syn­drom häu­fig

Die Stu­die zeigt erst­mals klar, dass Schlaf­pro­ble­me beim Dra­vet-Syn­drom nicht iso­liert betrach­tet wer­den soll­ten, son­dern eng mit der Regu­la­ti­on der Kör­per­tem­pe­ra­tur ver­bun­den sind. Die­ses neue Ver­ständ­nis eröff­net lang­fris­tig die Mög­lich­keit, geziel­te­re The­ra­pien zu ent­wi­ckeln – nicht nur zur Kon­trol­le von Anfäl­len, son­dern auch zur Ver­bes­se­rung von Schlaf und Lebens­qua­li­tät.

Für Fami­li­en und Betrof­fe­ne ist das ein wich­ti­ger Schritt: Denn gera­de Schlaf­stö­run­gen gehö­ren zu den belast­ends­ten Begleit­erkran­kun­gen im All­tag mit dem Dra­vet-Syn­drom.

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