Eine neue Veröffentlichung im New England Journal of Medicine liefert detaillierte klinische Daten zur Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Dravet-Syndrom mit Zorevunersen. Die Ergebnisse stammen aus den Phase‑1/2a-Studien MONARCH und ADMIRAL sowie aus den offenen Verlängerungsstudien SWALLOWTAIL und LONGWING.
Insgesamt nahmen 81 Patientinnen und Patienten im Alter von zwei bis 18 Jahren an den Studien teil. 75 von ihnen setzten die Behandlung anschließend in den Verlängerungsstudien fort. Ziel war es zunächst, Sicherheit und Dosierung zu untersuchen, gleichzeitig wurden aber auch mögliche klinische Effekte erfasst.
Behandlung ist gut verträglich und sicher
Die Behandlung mit Zorevunersen war überwiegend gut verträglich. Die meisten unerwünschten Ereignisse waren leicht oder moderat. Häufig traten Beschwerden nach der Lumbalpunktion auf, über die das Medikament verabreicht wird, sowie erhöhte Eiweißwerte im Liquor, also der Flüssigkeit, die Gehirn und Rückenmark umgibt.
Deutliche und stabile Anfallsreduktion
Auch bei den klinischen Ergebnissen zeigen sich vielversprechende Entwicklungen. Bei Patientinnen und Patienten, die höhere Dosierungen erhielten, verringerte sich die Häufigkeit konvulsiver Anfälle deutlich. In den Verlängerungsstudien sank die Zahl der Anfälle im Vergleich zum Ausgangswert – je nach Zeitpunkt der Auswertung – um etwa 58 bis 91 Prozent. Diese Reduktionen blieben über einen Zeitraum von bis zu 20 Monaten stabil.
Positive Effekte auch bei Lebensqualität, Kognition und Verhalten
Darüber hinaus berichteten sowohl Ärztinnen und Ärzte als auch Angehörige über Verbesserungen des allgemeinen klinischen Zustands. In der Gruppe, die 70 mg Zorevunersen erhalten hatte, bewerteten 84 Prozent der behandelnden Ärztinnen und Ärzte und 95 Prozent der Angehörigen den Zustand der Patientinnen und Patienten als „verbessert“ oder „deutlich verbessert“. In vorherigen Studiendaten zeichnete sich bereits ab, dass die Patienten mit zwei 70 mg Ladedosen zu Beginn die besten Ergebnisse erzielten.
Auch bei der Lebensqualität und im adaptiven Verhalten zeigten sich positive Entwicklungen. Die Daten deuten darauf hin, dass sich beispielsweise Kommunikationsfähigkeiten und Alltagskompetenzen im Verlauf der Behandlung verbessern können. Solche Veränderungen könnten mit dem Wirkmechanismus des Medikaments zusammenhängen, das auf eine Erhöhung der SCN1A-Genexpression abzielt und damit direkt an der Ursache des Dravet-Syndroms ansetzt.
Das bestätigt auch die englische Professorin Helen Cross, Vorsitzende des medizinischen Beirats der britischen Dravet-Vereinigung und Erstautorin der Studie: „Ich behandle regelmäßig Patientinnen und Patienten mit schwer behandelbaren genetischen Epilepsien, deren Auswirkungen weit über die Anfälle hinausgehen. Es ist sehr belastend zu sehen, wie begrenzt die Behandlungsmöglichkeiten oft sind. Diese neue Therapie könnte Kindern mit Dravet-Syndrom helfen, deutlich gesündere und glücklichere Leben zu führen.“
Ergebnisse aus Phase 3 müssen abgewartet werden
Cross und die anderen Forschenden betonen jedoch, dass die Studien in erster Linie der Sicherheits- und Dosierungsprüfung dienten und keine Placebokontrolle hatten. Daher lassen sich aus diesen Daten noch keine endgültigen Aussagen zur Wirksamkeit ableiten. Gleichzeitig sehen sie die Ergebnisse als wichtigen Schritt: „Die hier berichteten Ergebnisse unterstützen die weitere Entwicklung von Zorevunersen als potenziell krankheitsmodifizierende Behandlung des Dravet-Syndroms“, so die Forschenden.
Um die Wirksamkeit eindeutig zu prüfen, läuft bereits eine randomisierte Phase-3-Studie. Stoke rechnet damit, die Rekrutierung von etwa 150 Patientinnen und Patienten in den USA, im Vereinigten Königreich und in Japan im zweiten Quartal 2026 abzuschließen. Erste Ergebnisse der Studie werden für Mitte 2027 erwartet und sollen die Grundlage für einen Zulassungsantrag bei der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA bilden. Zusätzlich sollen ab dem zweiten Quartal 2026 mindestens 20 weitere Patientinnen und Patienten in Deutschland, Spanien, Frankreich und Italien in die Studie aufgenommen werden. Über alle Neuigkeiten halten wir Euch im Blog auf dem Laufenden.
Hier geht es zur Studie: New England Journal of Medicine
Hier geht es zur Pressemitteilung von Stoke Therapeutics.


