Die Ent­wick­lung neu­er The­ra­pien für das Dra­vet-Syn­drom ist drin­gend not­wen­dig – doch sie bleibt her­aus­for­dernd. Mit dem Wirk­stoff Sotic­les­tat des japa­ni­schen Phar­ma­un­ter­neh­mens Take­da Phar­maceu­ti­cals stand zuletzt ein viel­ver­spre­chen­der Wirk­stoff im Fokus der For­schung. Die aktu­el­len Ergeb­nis­se der Pha­se-3-Stu­die zei­gen jedoch: Das pri­mä­re Stu­di­en­ziel wur­de knapp ver­fehlt. Für Betrof­fe­ne und ihre Fami­li­en ist dies ein Rück­schlag – zugleich lie­fern die Daten wich­ti­ge Erkennt­nis­se für die zukünf­ti­ge For­schung.

The­ra­pie­an­satz von Sotic­les­tat

Sotic­les­tat ist ein expe­ri­men­tel­ler Wirk­stoff, der gezielt in den Cho­le­ste­rin­stoff­wech­sel des Gehirns ein­greift. Er blo­ckiert ein bestimm­tes Enzym im Gehirn (CH24H). Dadurch soll die über­mä­ßi­ge Akti­vi­tät von Ner­ven­zel­len gedämpft wer­den, die bei epi­lep­ti­schen Anfäl­len eine wich­ti­ge Rol­le spielt.

Frü­he­re Stu­di­en hat­ten Hoff­nung geweckt: In der Pha­se-2-Stu­die „ELEK­TRA“ konn­te eine signi­fi­kan­te Reduk­ti­on der Anfalls­häu­fig­keit im Ver­gleich zu Pla­ce­bo gezeigt wer­den.

Ergeb­nis­se der Pha­se-3-Stu­die „SKY­LINE“

Die ent­schei­den­de Pha­se-3-Stu­die „SKY­LINE“ unter­such­te Sotic­les­tat als Zusatz­the­ra­pie Dra­vet-Betrof­fe­nen. Ziel war es, die Häu­fig­keit kon­vul­si­ver Anfäl­le im Ver­gleich zu Pla­ce­bo signi­fi­kant zu sen­ken. Die Ergeb­nis­se der Stu­die zei­gen ein gemisch­tes Bild: Zwar konn­te unter Sotic­les­tat eine nume­ri­sche Reduk­ti­on der Anfalls­häu­fig­keit beob­ach­tet wer­den, die­se fiel jedoch sta­tis­tisch nicht signi­fi­kant aus.

Kon­kret sank die monat­li­che Zahl kon­vul­si­ver Anfäl­le im Medi­an um etwa 22 Pro­zent in der Sotic­les­tat-Grup­pe gegen­über rund 9 Pro­zent unter Pla­ce­bo. Trotz die­ses Unter­schieds wur­de das pri­mä­re Stu­di­en­ziel – eine signi­fi­kan­te Über­le­gen­heit gegen­über Pla­ce­bo – nicht erreicht.

Auch eine beglei­ten­de Pha­se-3-Stu­die beim Lenn­ox-Gastaut-Syn­drom („SKY­WAY“) konn­te sein Stu­di­en­ziel nicht errei­chen.

Take­da stoppt Ent­wick­lung

Auf Basis die­ser Ergeb­nis­se ent­schied Take­da Phar­maceu­ti­cals, die Ent­wick­lung von Sotic­les­tat ein­zu­stel­len. Die­se Ent­schei­dung ver­deut­licht die hohen Hür­den in der Arz­nei­mit­tel­ent­wick­lung – ins­be­son­de­re bei sel­te­nen und schwer behan­del­ba­ren Erkran­kun­gen wie dem Dra­vet-Syn­drom.

Rück­schlag ja, aber kein Still­stand für die For­schung

Die Ergeb­nis­se zu Sotic­les­tat zei­gen exem­pla­risch, wie kom­plex die The­ra­pie­ent­wick­lung beim Dra­vet-Syn­drom ist. Für die Dra­vet-Gemein­schaft ist die Nach­richt ent­täu­schend. Gleich­zei­tig bleibt die Ent­wick­lung neu­er The­ra­pien, gera­de im Bereich der Gen­the­ra­pien, ein dyna­mi­sches Feld.

Jede Stu­die – auch eine mit nega­ti­vem Aus­gang – lie­fert wert­vol­le Erkennt­nis­se. Sie hilft, zukünf­ti­ge The­ra­pie­an­sät­ze geziel­ter zu ent­wi­ckeln und die Behand­lungs­mög­lich­kei­ten lang­fris­tig zu ver­bes­sern.

Über alle Ent­wick­lun­gen im Bereich For­schung infor­mie­ren wir Euch im Blog.

Das gesam­te Stu­di­en­ergeb­nis zu Sotic­les­tat lest ihr hier.